
Karl-Michael Zettl Head of Marketing & Solutions, RHI Magnesita
Ohne Feuerfestprodukte läuft in der Industrie nichts. Sie ermöglichen Hochtemperaturprozesse – ob in der Stahl- oder Zementherstellung. Aber sie verschleißen und müssen regelmäßig ersetzt werden. Die große Frage ist: Entsorge ich sie – oder führe ich sie als Rohstoff zurück? Letzteres reduziert die Abhängigkeit von Rohstoffimporten und drückt den Ausstoß von CO2 deutlich.

Nenad Tanasic CEO, MIRECO
Hinzu kommt: Magnesia und andere Primärrohstoffe, aus denen Feuerfestprodukte hergestellt werden, sind besonders CO2-intensiv. Wenn wir sie durch recycelte Materialien ersetzen, senken wir den Fußabdruck um bis zu 90 Prozent. Das ist messbar und für unsere Kunden direkt relevant.
Sie sprechen von einem „CO2-optimierten Feuerfestkonzept“. Was heißt das konkret?

Karl-Michael Zettl RHI Magnesita
Wir berechnen den Product Carbon Footprint jeder Ofenauskleidung und entwickeln auf dieser Basis Alternativen mit höherem Recyclinganteil. Entscheidend ist: Die Produkte haben die gleiche Qualität und Leistungsfähigkeit wie Primärprodukte – aber deutlich geringere CO2-Emissionen. Das erlaubt es, die ESG-Ziele schneller und langfristig kosteneffizienter zu erreichen.
Wie funktioniert die Rückführung in der Praxis?

Nenad Tanasic MIRECO
Wir begleiten den gesamten Kreislauf: Rückbau, Sortierung, Aufbereitung, Reintegration. Das ist kein „Abfallgeschäft“, sondern gezielte Rohstoffrückführung. 2025 werden wir ca. 250.000 Tonnen verarbeiten, die nicht auf einer Deponie landen – das entspricht fast 500.000 Tonnen eingespartem CO2.

Karl-Michael Zettl RHI Magnesita
Und: Wir reduzieren damit Importabhängigkeiten. Das ist angesichts geopolitischer Spannungen ein ökonomisches Argument, nicht nur ein ökologisches.
Sie nennen dieses Modell „CERO-Waste“. Wo liegt der Unterschied zu klassischem Recycling?

Nenad Tanasic MIRECO
Recycling funktioniert immer am besten, wenn alle Beteiligten mitziehen: Hersteller, Nutzer und Recycler. Deshalb sehen wir CERO-Waste als Partnerschaftsmodell, in dem gemeinsam nachhaltige, kreative, effektive und wirtschaftlich sinnvolle Lösungen entstehen.

Karl-Michael Zettl RHI Magnesita
Wir sprechen hier nicht über punktuelle Projekte, sondern über eine Rohstoffstrategie. Wer frühzeitig zirkuläre Materialströme integriert, gewinnt Versorgungssicherheit und Wettbewerbsvorteile.
Welche Vorteile spüren Kunden konkret?

Nenad Tanasic MIRECO
Erstens: fachgerechte und gesetzeskonforme Entsorgung. Zweitens: transparenter und wertentsprechender Wiedereinsatz. Drittens: reduzierte Abhängigkeit durch lokal entstehende nachhaltige Rohstoffe.

Karl-Michael Zettl RHI Magnesita
Hinzu kommt die Außenwirkung: Investoren und Kunden honorieren Unternehmen, die Kreislaufwirtschaft systemisch umsetzen. Das spiegelt sich zunehmend auch in Ratings wider.
Wie reagiert die Industrie bislang?

Karl-Michael Zettl RHI Magnesita
Die Nachfrage steigt spürbar. Viele Unternehmen haben erkannt, dass sie mit Zirkularität gleich drei Ziele erreichen: CO2 senken, Kosten stabilisieren, Versorgung sichern.

Nenad Tanasic MIRECO
Der Druck wächst: „Nachhaltigkeit“ allein reicht nicht mehr – gefragt sind belastbare Strategien für Rohstoffkreisläufe. Wer hier nicht handelt, riskiert regulatorische Nachteile und Wettbewerbsverluste.
Welchen Beitrag leisten Feuerfestprodukte konkret zu Green-Steel-Initiativen?

Karl-Michael Zettl RHI Magnesita
Pro Tonne Stahl entfallen etwa 22 Kilogramm CO2 allein auf Feuerfestmaterialien. Das klingt gering, ist aber ein relevanter Hebel, wenn man bedenkt, dass weltweit rund 2 Milliarden Tonnen Stahl pro Jahr produziert werden.

Nenad Tanasic MIRECO
Egal ob der Wiedereinsatz in feuerfesten Produkten oder als gezielt hergestellter metallurgischer Zuschlagstoff direkt im Stahlwerk erfolgt: Wir reden immer von mehreren tausend Tonnen gespartem CO2 pro Jahr. Das ist – abgesehen vom grundsätzlichen Technologiewandel – wesentlich mehr als die meisten Eigeninitiativen der Kunden.
Wo sehen Sie noch ungenutztes Potenzial?

Nenad Tanasic MIRECO
In der Systemintegration. Viele Unternehmen betrachten Recycling erst am Ende der Kette. In Wahrheit muss Kreislaufwirtschaft schon beim Produktdesign mitgedacht werden.

Karl-Michael Zettl RHI Magnesita
Wer Performance, Kosten und Nachhaltigkeit in Einklang bringt, verschafft sich einen echten Marktvorteil. Das wird in den nächsten Jahren zum entscheidenden Differenzierungsfaktor.
Ihr Appell an die Industrie?

Karl-Michael Zettl RHI Magnesita
Die grüne Transformation beginnt nicht beim Endprodukt, sondern beim Materialkonzept. Wer jetzt investiert, stärkt seine Wettbewerbsfähigkeit und reduziert gleichzeitig CO2.

Nenad Tanasic CEO, MIRECO
Das gelingt nur im Verbund. Einzelmaßnahmen sind zu kurz gedacht. Kreislaufwirtschaft funktioniert nachhaltig nur als Partnerschaftsmodell.
„Zirkuläre Rohstoffströme liefern messbare CO2-Einsparungen und echte Versorgungssicherheit – wenn die Industrieakteure gemeinsam handeln.“ — Gemeinsame Erklärung von Zettl & Tanasic